Dienstag, 7. März 2017

Wohin gehst Du, politische Einstellung, wohin? Teil 2

Ich werde mal kurz (?) ein bißchen sarkastisch und offensiv gegen mich selbst. Ich übertrage sozusagen den Ton, in dem ich manchmal mit mir selbst rede, auf diesen Blog und meine Selbstdarstellung in selbigem.

Neben der Einbildung, gewisse Mitglieder der Band Rammstein in politischen Einstellung zu verstehen, gibt es bei mir noch diese Sache mit der teilweise gemeinsamen Biographie als DDR-Kinder. Als jemand, der mit 11 die Wende erlebt hat (zumindest teilweise, denn der Herbst 1989 war auch der, den ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verbracht habe), also fast schon eine andere Generation ist, kann ich in Bezug auf die DDR zwar nicht so viel mitreden, aber der Stempel bleibt mir ja. Genauso wie das Gefühl, nicht zu passen.

Nun hat mir die Beschäftigung mit den Lebensgeschichten der Bandmitglieder auch die Möglichkeit gegeben, mir andere DDR-Dokumentationen anzuschauen. Richtig durch bin ich damit noch nicht, weil es einfach auch Zeit kostet, fast zweistündige Dokus anzuschauen. Aber in der einen oder anderen Aufzeichnung aus der Reihe "Die Kinder von Golzow" erkenne ich meine Eltern schon wieder und auch in den Dokumentationen über die Textilarbeiterinnen von Wittstock einige Verwandte. Leider ist ja aus der Generation meiner Großeltern nur noch eine Oma fit genug, um von der Zeit zu erzählen. Wenn ich ein bißchen schlauer gewesen wäre, hätte ich mich früher für das Thema interessiert und hätte auch das eine oder andere Erzählte aufgeschrieben. Aber ich war eben mehr damit beschäftigt, von dem Mißtrauen meiner Eltern in meine Fähigkeiten freizuschwimmen.

Und 1996 gab es halt auch kein kostenloses Informationsmedium wie Youtube.

Tatsache ist: meine Eltern hatten (so scheint es mir) keine Probleme mit der Umstellung. Das kann auch an dem erfolgreichen beruflichen Wechsel meines Vaters liegen, den er 1990 vollziehen konnte und der dann zu unserem Umzug führte. Keine mehrjährige Rumschubserei von Maßnahme zu Maßnahme. Kein überstürztes Umziehen in den Westen Mitte der Neunziger Jahre - zu dem Zeitpunkt waren wir schon 3 Jahre "drüben" und ich bereits auf dem Oberstufengymnasium. Stattdessen hat zu der Zeit meine politische Prägung stattgefunden.

Bedingt durch meine Sonderstellung in der Klasse habe ich mir in der Realschulzeit (1992-1994) auch ausländische Freundinnen gesucht, einiges an Freizeit im Asylantenheim verbracht, später bei einer türkischen Freundin im Ort und einer pakistanischen Freundin, bei der ich die türkische Küche und die indische Küche kennenlernte.
Ich rede gar nicht um den heißen Brei herum: die anders ausgeprägte Nähe zu diesen Leuten hat mir sehr gefallen, es war genau die richtige Kombination aus Nähe und Distanz für mich. Zwar machte mir ein 2 Jahre älterer Verwandter der türkischen Freundin eine Zeitlang schöne Augen, aber als er merkte, daß ich kein Interesse hatte, war das Thema auch wieder durch.

1995 begann dann die Besetzung des Versuchsfeldes, das ein Bauer in der übernächsten Gemeinde einem Chemiekonzern (Monsanto? Bayer?) zur Verfügung gestellt hatte für die Aussaat genmanipulierten Maises. Für drei Jahre (bis 1997), in denen unsere Gruppe das Feld (mit abnehmender Intensität, aber doch durchgängig) besetzt hat, allen Räumungsversuchen und Interventionen zum Trotz. In denen ich das eine oder andere Mal die Hausaufgaben auf dem Feld machte (oder gar nicht) und auch mal eine Stunde fehlte, weil am Morgen die Polizei aufkreuzte und uns festhielt, bis alle Personalien aufgenommen worden (außer meinen, aber das ist eine andere Geschichte, ich habe mich nicht entzogen, sondern wurde tatsächlich übersehen). Für mich war das der Einstieg in die Mitarbeit bei der Jugendorganisation von Bündnis 90/Die Grünen.

Ich könnte jetzt in diesem Tempo weitererzählen, kürze aber mal der besseren Lesbarkeit willen ab. Ich bin in meiner Generation die Einzige, die sich parteipolitisch engagiert hat, die Einzige, die das Gymnasium (quasi) auf dem zweiten Weg betreten hat, die Einzige, die ausländische Freunde hatte, die Einzige, die kein Musikinstrument erlernt hat, die Einzige, die Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit gemacht hat. Okay, meinen Berliner Cousin hab ich in der Aufzählung vergessen. Was den sozialen Abstieg in der Familie angeht, hat er mich lange hinter sich gelassen. Wobei ich nicht weiß, was von dem, was seine Mutter uns erzählte, wahr ist. Meine Eltern wünschen jedenfalls keinen Kontakt zu ihm und weil das so ist, wünscht er auch keinen Kontakt zu mir mehr. Ätzend.

Ich hab dieses ganze Ding, das man als Spießigkeit bezeichnen könnte oder einfach als persönliche Stärke und Sicherheit, nicht mitbekommen. Und von diesem Blickwinkel her (und nur diesem!) kann ich mich mit Rammstein identifizieren. Ohne jetzt hinter jeder ihrer Aussagen zu stehen oder ein glühender Fan ihrer Musik zu sein. Für mich ist Rammstein der Weg, mich von Nationalismus o.ä. zu distanzieren. Ich mag die klassische Musik und Kunst trotzdem, singe gern mal Musicalsongs, aber ich mag auch die Farbe Schwarz, ohne mich wie ein typischer Goth zu kleiden.

Man bleibt halt irgendwie ein Wanderer zwischen den Welten, wenn man mal einer war ...

Montag, 6. März 2017

Wohin gehst Du, politische Einstellung, wohin?

Der Verweis auf den Rammstein-Titel "Mein Land" ist Absicht, hatte ich doch letztens eine Minidiskussion über diese Band mit einem ehemaligen Radiokollegen. So um 1996/1997 herum, als (so glaube ich, recherchiert habe ich nicht) der mediale Shitstorm über Rammstein den Anfang nahm oder genommen haben könnte, war die Band mir kein Begriff und ihre Musik für mich nicht zugreifbar.

Ich möchte dazu, was damals diskutiert wurde, auch eigentlich gar nicht Stellung nehmen.

Aber zu dem Vorwurf, Rammstein seien ja nationalistisch, muß ich doch mal was loswerden. Denn ich seh die Jungs nicht so. Und mich auch nicht. Ich hab - um auf "Mein Land" zurückzukommen - im Kopf eher ein Bild von einem Platzhirsch, der erstmal sagt, egal, wer Du bist oder wie okay Du bist, Du kommst hier nicht rein, wir nehmen Dich in unsere Gemeinschaft nicht auf, Du darfst hier nicht mitarbeiten usw. Also dieser Typ Mensch, den ich hier in den letzten vier Jahren zur Genüge kennengelernt habe. Vielleicht ist deren Dichte hier in Bayern höher, ich weiß es nicht.
Und ich kann ehrlich gesagt nicht verstehen, wie jemand so tun kann, als kenne er diesen Typ Mensch nicht.

Resultierend aus diesen Erfahrungen, speziell denen mit dem Inhaber des kleinen Supermarktes im Ortsteil, frage ich mich aber gerade auch, wie ich eigentlich eingeschätzt werde. Als linke Schmarotzerin? Und ich frage mich, bin ich denn so links? Wie links bin ich eigentlich und was heißt das für meine Philosophie? Inwieweit sollte ich meine politische Einstellung schärfen?

Als neulich diese Amokfahrt in Heidelberg war, war meine (dort lebende) Cousine kurz danach in der Nähe, hat die Absperrung gesehen, hatte aber keinen Schaden davon. Sie kommentierte es dann in der familieneigenen Whatsapp-Gruppe mit "heutzutage muß man ja immer damit rechnen". Das war dann der Moment, in dem ich mir wieder mal gern eine andere Familie gewünscht hätte.

Denn rückblickend muß ich auch sagen, daß ich wahrscheinlich die linkeste Socke in der Familie geworden oder geblieben bin. Niemand aus meiner Generation hat sich mal in einer Partei engagiert und bei den Grünen schon gar nicht. Politisches wird auf Familientreffen ausgeblendet, was ich ja eigentlich gut finde, weil ich mich dadurch nicht mehr bloßstellen und kleinmachen lassen muß. So im Sinne von "Du verstehst das nicht, das ist doch ganz anders". Also eigentlich das, was ich zu anderen Themen auch an den Kopf geworden kriege.

Aber vielleicht ist das einfach eine Reaktion, die ich selbst provoziere. Wenn mir der Geschäftsinhaber ansatzweise n Vortrag hält über die armen Deutschen und die viel zu gut behandelten Flüchtlinge/Terroristen. Ich hab da nichts entgegnet, weil das in der Schnelle nicht möglich war, etwas sinnvolles zu entgegnen. Nicht in einem Satz. Und sicher nicht mit dem Echo, das ich vertragen hätte.

Und dann liest man Äußerungen des Herrn Söder, München sei gar nicht multikulti* und es müßten noch mehr Ausländer abgeschoben werden**.
Und dann ist er wieder da, der Moment, in dem Du denkst, vielleicht ist es nicht genug, kein Problem mit Ausländern zu haben, fremde Sprachen und Küchen zu lieben, aus Diplomatie den Mund zu halten und keine Zeitung(en) zu lesen.

Ich bin ratlos.

* ich würde wirklich gern wissen, welchen Stadtteil er damit genau meint

** Daß Bayern im letzten Jahr die Grenze von 200.000 nicht mal ansatzweise erreicht hat und derzeit viele seit Jahren hier lebende Ausländer gehen müssen, ist bekannt, oder?

Donnerstag, 2. März 2017

Lebenszeichen

Lange her, der letzte Eintrag hier. War nicht so geplant oder sonstwas, ich hatte keine Lust auf Bloggen. Kann auch daran gelegen haben, daß ich mich überreden habe lassen, einen Youtube-Kanal aufzumachen.
Und seitdem landeten die mehr oder weniger täglichen Berichte dort.

Wegen Frau Maja und diesem Beitrag schreib ich jetzt aber doch mal wieder was. Vielleicht auch mehr als einen Beitrag.

Was ist seit dem 30. Oktober passiert?
- die erwartete Kündigung (auf die ich mit Erleichterung zurückblicke)
- der Versuch, einen Nebenjob in einem völlig anderen Tätigkeitsfeld zu ergattern (klappte so lange, bis $Arbeitgeber sich entschloß, mir meinen ALG2-Bezug um die Ohren zu hauen und gleichzeitig eine gewisse politische Meinung zu indoktrinieren)
- viel unmotiviertes Daheimsitzen
- viele Abholungen für Foodsharing in München, nachdem ich mich dort auch akkreditiert habe durch eine weitere Einführungsabholung
- depressionsbedingte Verspätungen bei Abholungen, die mich doch fast die Zulassung gekostet hätten
- Erhalt der schriftlichen Kündigung meiner Wohnung
- ein "ich kann so nicht weiterleben" gegenüber dem Jobcenter führt dazu, daß man mich aus der normalen Vermittlung (die mit dem Job-Such-Zwang) ins sog. "Fallmanagement" (eine neue Abteilung für nicht gleich Vermittelbare) überstellt
- Jahresabschluß beim THW (300 Stunden in den acht Monaten seit der bestandenen Prüfung, wie auch immer ich das geschafft habe)
- Silvesterdienst für das Rote Kreuz auf dem Tollwood in München mit einem Ehrenamts- und zwei Nebenamtskollegen, sehr arbeitsreich, aber auch sehr interessant
- Aufenthalt im Epilepsie-Intensivzentrum des Klinikums Großhadern (6 Tage Langzeit-EEG, endlich - und ebenfalls endlich die Diagnose, daß es keine Epilepsie, sondern eine Schlafstörung ist)
- Amitriptylin (ja, ich nehme gerade ein trizyklisches Antidepressivum), die anfängliche Müdigkeit und Verschiebung des Tagesablaufs
- diverse Besuche in der psychiatrischen Poliklinik in der Münchner Nußbaumstraße (die Ärztin dort fühlt sich aber jetzt nicht mehr zuständig, was ich nur halb verstehe)
- Jahresabschluß beim Roten Kreuz, der eher ein Jahresauftakt ist, weil in den Januar verschoben: hier komme ich nicht ganz auf 300 Stunden, aber fast -> heftig, oder?
- Treffen mit der Mimengruppe des Roten Kreuzes im schneereichen Gebiet südlich von München

Irgendwann hat das Amitriptylin einige der Depressionssymptome aus meinem Leben getrieben - die Antriebslosigkeit leider nicht. So ganz will ich das alles immer noch nicht, gucke oft den ganzen Tag Videos, bis ich zwangsweise das Haus verlassen muß, weil ein Termin ruft. Dann gehe ich meist ungewaschen los. :(
Wollen allein reicht nicht.

Der Youtube-Kanal hätte ein Technik-Kanal werden können (oder nach Meinung eines gewissen Funkamateurs werden sollen), entwickelte sich aber zu einem mehr oder weniger Rede-Kanal mit Tagesberichten). Aus Rache (?) versieht irgendwer (ich habe den gewissen Funkamateur im Verdacht) dann jeden Beitrag mit einem Daumen nach unten. Und ich finde das sogar noch amüsant.
So ziemlich jeder Youtuber sagt am Ende oder irgendwo im Video "bitte abonniert mich und laßt n Daumen nach oben da". Ich sag das nicht, weil ich denke, entweder macht man das aus eigenem Antrieb oder auch nicht. Und ich wollte ja nicht die Kopie von irgendwas werden. Deshalb halt kein Technik-Kanal, solange mich (die Entwicklung in der Computer-)Technik aufgrund meiner Situation kaltläßt.
Ich würde mir wünschen, es gäbe mehr Möglichkeiten, zu sehen, wer welches Video wie lange angeschaut hat usw. Also so n bißchen wie Facebook. Das würde den Austausch erleichtern.

Das Jobcenter hat versucht, mir einen Strick aus der Idee des Nebenjob-Arbeitgebers zu drehen, das einzige Gehalt in zwei Teilen zu zahlen. Ich hab den Januar und Februar trotz der finanziellen Schieflage überlebt und dank Foodsharing mehr Lebensmittel daheim als ich brauche oder mit meiner geringen Kraft für den Alltag verbrauchen kann. Das ist ein seltsames Gefühl, insbesondere dann, wenn man daran denkt, daß das, was Foodsharing in München und Umkreis an Kooperationen hat, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Wegen der rechtlich unsicheren Situation ruht fast in allen Städten die Aufnahme neuer Kooperationen.

Ich habe mir die Haare wachsen lassen und letzte Woche wieder auf die Hälfte abgeschnitten, so daß ich jetzt wieder einen 20er-Jahre-Bob habe. Das hat offenbar so gut geklappt, daß ich dazu sagen muß, daß ich beim Friseur war.

Ich schwanke zwischen Hierbleiben und Wegziehen. Wobei Wegziehen wohl erstmal "zurück zu den Eltern" hieße. Und das kann eigentlich nicht gut sein.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Der GAU, Teil 3

Das wird hier noch zur Serie, fürchte ich.

Der aktuelle Stand: Auticon hat sich bis zuletzt Zeit mit einem Feedback gelassen. Das Gespräch dazu sollte am vergangenen Donnerstag sein. Was mir nicht so recht war, da man mir wegen "Du bist doch gerade im Projekt" versuchte, einen Termin bei der Schuldnerberatung zu untersagen. Am Mittwoch oder Donnerstagvormittag dann eine SMS: "Können wir es doch verschieben? Der Chef mußte kurzfristig weg ..."

Ich habe dann, bevor ich von der Verschiebung erfuhr, trotzdem Druck gemacht, denn ich hätte ja auch längst mal zum Jobcenter gehen müssen! Nun gehe ich am Mittwochmorgen gleich um acht Uhr hin und kann daher vorher nicht absagen, sollte sich Auticon doch noch an den gesunden Menschenverstand erinnern und die Kündigung zurücknehmen ...

Nein, ich erwarte das nicht wirklich.
Aber ich bin so sauer, daß ich denke, wenn sie es nicht tun, dann gnade ihnen Gott! Denn dann schweige ich nicht!

Es hätte ja auch anders laufen können. Daß ich mich, sofort nach dem ersten Auftreten dieser Absencen in der Ausbildung, hätte durchchecken lassen. Ein Medikament bekommen hätte, das mich vielleicht müder gemacht hätte oder an meiner Stimmung geschraubt. Den Ausbildungsplatz u.U. eingebüßt hätte. Nie gescheit hätte arbeiten können. Mit 30 ein Wrack gewesen wäre, so wie Sören Schindler.

Na schön, ich bin jetzt 38 und quasi ein Wrack. Fehlt eigentlich nur noch die Obdachlosigkeit.

Ich hab es den Monat über geschafft, die Arbeit zu machen. Nicht ohne Aussetzer, aber so, daß ich glaube, ich kann zufrieden sein. Liege gut in der Zeit, lasse nicht zuviel offen.

Und das ist eigentlich die Ungerechtigkeit. Für die Arbeit im aktuellen Testzyklus war ich offenbar doch noch gut genug. Ich hab nicht die Notbremse gezogen und gesagt, es geht nicht, weil ich am ersten Tag und auch allen folgenden eingenickt bin. Die Kollegin hat wieder was von Depression und "ich kenn sowas ähnliches" gefaselt.

Muß ich mich wirklich dafür bestrafen lassen, daß ich auf "durchhalten" gepolt war und bin? Daß ich nicht bei der Überforderung, die die Ausbildung nun zugegeben irgendwo schon war, gesagt hab, tschüß, es reicht, weil mir die in diese Richtung weisenden Kommentare meiner Eltern einfach nur auf den Sack gegangen sind?

Ich habe heute noch einmal gegoogelt. Die Aufdosierung von Lamotrigin, das ich im Herbst 2012 schon mal nahm, dauert 8-10 Wochen.  Dieses Medikament würden die zwei Neurologen nicht noch einmal nehmen, ihre Wahl fiele auf Keppra (Levetiracetam). Google ich danach, finde ich fast sofort wieder Hinweise auf erhöhte Müdigkeit und Stimmungsschwankungen als Nebenwirkung. Dinge, über die die Neurologen übrigens nicht redeten.

Ich bekam im Oktober zwei Anfragen, hatte im September ein Vorstellungsgespräch. Bin zunehmend offen mit der Einschlafgeschichte umgegangen (was hätte ich auch sonst machen sollen?). Bekomme in allen drei Fällen die Rückmeldung, daß man sich anders entschieden hat.

Verdammt, ich möchte gerade allen erwachsenen Autisten zuschreien: Rückzug aus dem sozialen Leben ist keine Lösung!

Andere Angestellte bei Auticon melden sich von heute auf morgen krank. Ich bin faktisch krank, fühle mich aber nicht so und bleibe deshalb nicht zu Hause. Und werde dafür wie eine Aussätzige behandelt.

Ich habe, nachdem der Psychiater-Neurologe aus dem Urlaub zurück war, dort wieder angerufen. Neuer Termin? Erst im Februar 2017. Da war das Geschrei von verschiedenen Seiten (Auticon, THW-Kollege) groß: waaassss, die müssen Dir doch schneller einen Termin geben, ruf da noch mal an! Ich rufe noch mal an, frage vorsichtig. Nee, geht wirklich nicht eher.
Eigentlich eine normale Frist und wer mal mit der Materie befaßt war, weiß doch eigentlich auch Bescheid!

Am vergangenen Freitag taucht unser "Projektmanager" in Zivil (schwarzes T-Shirt!) und unrasiert (kein Scherz!) beim Kunden auf. (Also, selbst die beiden Kollegen waren besser angezogen! Wer ist hier eigentlich der Hilfsbedürftige?)
Eine halbe Stunde etwa, nachdem er weg ist, schreibt er allen Projektbeteiligten von Auticon eine Mail, wir sollten doch an unsere Stundenzettel denken. Da er die beiden abwesenden Kolleginnen nur über die Kundenadresse angeschrieben hat, leite ich die Mail an deren Auticon-Adressen weiter. Die Kollegin bedankt sich. Da der Projektmanager erwähnt hatte, sie käme am Montag zur Übergabe, schreibe ich eine weitere kurze Mail, zur Info, in dem Stil einer Erinnerung. Woraufhin sie schreibt, davon hätte Auticon ihr gar nichts gesagt.

Bis etwas nach vier höre ich nichts mehr, dann verlasse ich das Büro. Ich weiß also nicht, ob sie jetzt am Montag kommt. Aber es ist ja eigentlich auch egal. Das Büro, in das wir umgesiedelt worden, ist nicht das, in das wir eigentlich sollten. Kleiner, nur vier Arbeitsplätze. Zentraler und damit nicht ganz so ruhig. Okay, die Baustelle ist nicht mehr zu hören. Aber vom Gefühl her: suboptimaler. Ich glaube also nicht, daß die Kollegin sich da wohlfühlen wird.

Einen befreundeten Rechtsanwalt hatte ich angeschrieben, in der Hoffnung, er würde mir Händchen halten. Vor allem gegenüber dem Jobcenter.
Mehr als eine - bei meinen Verhältnissen unbezahlbare - Klage hat er aber nicht zu bieten.

Bleibt alles kacke.

Montag, 10. Oktober 2016

Hoch oben über den Wipfeln ...

Familien zerfallen, wenn Familienoberhäupter sterben. Nicht sofort, aber nach und nach. Traditionen fallen weg, müssen neu geordnet werden.

Einen Versuch in diese Richtung hat vor drei Jahren eine Schwester meines (biologisch nicht mit mir verwandten) Onkels gestartet, am vergangenen Wochenende kamen wir dann alle zusammen: die Berliner, Kasseler, Leipziger, Dresdner, Brüsseler, Heidelberger und der schwesterliche Anhang aus Bad Nauheim, Basel, Hallbergmoos. Viel zu kurz waren eineinhalb Tage im Stiftsgut Wilhelmglücksbrunn, das ich als Herberge gern weiterempfehle, gerade auch für Familien.

Aufgrund der kurzen Zeit gab es nur einen gemeinsamen Ausflug - in den Naturpark Hainich, in dem es einen Baumkronenpfad gibt. Auf einem kaum merklich ansteigenden Pfad zwischen den Bäumen wird man nach oben geführt. An bestimmten Punkten gab es Erklärungstexte, die sehr kindgerecht gehalten waren. Andere Punkte boten Klettermöglichkeiten, zum Beispiel hängende Stege.

Ein paar mit dem Smartphone geschossene Bilder:




 









Es wurde beschlossen, sich jährlich im Herbst zu treffen. Mal sehen, ob es gelingt.

Die Zeit der gemeinsamen Weihnachtsfeste der Dresdner und Bad Nauheimer (jeweils mit Kindern/Enkelkindern) ist dagegen nun doch zu Ende.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Das Oktoberfest XXL-Gefühl

Mehr als den einen Tag Dienst, den meine Bereitschaft sowieso macht, wollte ich mitmachen.
Und da ich eh eine "gebt mir mehr Dienste"-Phase hatte, hab ich mich sogar vor der Wiesn schon ins Abenteuer gestürzt.
Denn natürlich wollten die Behandlungsplätze und 4 Sanitätscontainer auch bestückt werden.

Und obwohl ich nicht mehr damit gerechnet hatte, gab es doch noch Möglichkeiten, an anderen Tagen als dem letzten Sonntag mit dabei zu sein.

Es kamen zusammen:
- 2x 5 Stunden Aufbauhilfe in der vorletzten Woche vor dem Oktoberfest.
- etwa 4 Stunden Dienst beim Trachten- und Schützenzug (noch so ein Standarddienst meiner Bereitschaft)
- einmal Einspringen am ersten Freitag
- einmal Einspringen am zweiten Dienstag
- der Standarddienst am 2. Sonntag

Dazwischen noch drei Einsätze bei Fußballspielen. Und ein kurzer privater Wiesn-Besuch meinerseits am sehr sonnigen zweiten Freitag.

Mehr hätte es auch nicht sein dürfen, ich bin jetzt noch platt. Ok, ein paar negative Momente sind daran auch schuld.

Die befürchtete Katastrophe ist ja zum Glück ausgeblieben.
Aber der Kurzbesuch auf der Wiesn am Freitag, bei dem ich dann eben auch mal wie ein normaler Besucher kontrolliert und umgeleitet wurde, und die Ankündigung, daß es bei diesen Sicherheitsmaßnahmen bleiben wird, vermiesen mir die Lust auf die nächste Wiesn schon ein bißchen.

Sonntag, 25. September 2016

Lebenszeichen

Eigentlich habe ich jetzt gerade gar keine Zeit zum Schreiben, aber keine Muße für Hausarbeit.

Der GAU passiert immer noch.
Ab nächste Woche wieder ein Projekt für Auticon, das bekannte Webseitentesten auf Desktop und Mobilgeräten. Das einzige Projekt, das ich dort jemals hatte.
Ich will eigentlich gar keine Vertragsverlängerung mehr.

Die Arzttermine haben nicht so stattgefunden, wie die Personalerin sich das gedacht hat, einfach wegen der Sommerferien. Evtl. gehe ich in den nächsten Monaten mal 7 Tage am Stück zur Epilepsie-Intensivüberwachung, auf der Warteliste bin ich jedenfalls. Aber da ist man dann an die Klinik bzw. das Zimmer gebunden. Wie ich mir die sonst vorhandenen Trigger dort hinholen soll, ist mir schleierhaft. Idealerweise wären sie dann doch gar nicht mehr da ...
Von psychiatrischer Seite hat sich nichts getan. Außer, daß ich bei einem Facharzt war, der Psychiater und Neurologe ist (und mir auch zuhört, großes Plus). Der war jetzt aber auch zweieinhalb Wochen im Urlaub.

Der Mitbewohner ist noch da, es hat mal Scherben gegeben, nachdem er eine Tür schmiß, als ich ihm versuchte, klarzumachen, daß wir nicht an schnelleres Internet kommen. Eine Woche später hat er scheinbar eingesehen, daß es keinen Sinn macht, mich jedesmal zu beschimpfen, wenn ich ihm etwas sage, was ihm nicht paßt. In seiner Wahrnehmung bin aber trotzdem ich an dem zerbrochenen Spiegel schuld, ich hätte die Tür so doll geschmissen ... klar, ich wieg ja auch an die 200kg und hab genauso viel Energie ...
Im November geht er zu einer Schulter-OP und dann 4-6 Wochen daheim bleiben. Da er dann ein einarmiger Bandit ist, soll seine Frau kommen und ihn pflegen. Ich hab ja Angst davor, zwei Exemplare seiner Gattung in der Wohnung zu haben und hinter ihnen herputzen zu müssen. Oder über Dinge diskutieren.
Aber so schnell bekomme ich die WG nicht aufgelöst. Und da ich mich nicht gekümmert habe, ist auch kein neuer Mitbewohner (m/w) in Sicht. Ich habe etwas Bammel, den Mitbewohner mit Nachmieterbesuchen zu belästigen, so, wie er auf seiner Privatsphäre besteht. Oder einem Nichtraucher-Untermieter das möglicherweise nach Nikotin riechende Zimmer zuzumuten.

Das THW bleibt schmerzhaft. Ich vermisse die strukturierte Ausbildung, die wir vor der Prüfung bekamen.  Ein Kollege nervt mit dem Spruch "Wissen nur, wenn nötig". Demnach habe ich dann also die Basis2-Ausbildung nicht nötig, wenn die, die vor mir anfingen, Ausbildung an den Montagabenden bekamen und ich nicht? Es gibt eine Probezeit von 6 Monaten (meines Wissens nach Abschluß der Grundausbildung, ich finde aber gerade nur Angaben, die Probezeit starte mit der Aufnahme in den Ortsverband) und ich habe aufgrund meiner mangelnden Integration in die Gruppe (oder meiner mangelnden Akzeptanz) nicht das Gefühl, diese bestanden zu haben. Auch weil ich ja fachlich nicht vorankomme. Das hatte ich auch gegenüber dem Ortsbeauftragten und meinem Gruppenleiter kommuniziert, per Mail. Der OB ging darauf ein, bot mir ein Gespräch an, der Gruppenleiter überging das Thema einfach. Letzterer ist übrigens der Meinung, es könnte meiner Akzeptanz in der Gruppe helfen, wenn ich einen Vortrag über Autismus halte. Ich halte mich nicht für einen schlechten Menschenkenner und habe deshalb ein ganz blödes Gefühl bei der Sache. Als ich aufgrund eines gewissen Ereignisses, das einen eigenen Blogeintrag verdient, ein paar Tage vor dem letzten Dienst anbot, diesen Vortrag zu halten, ging der Chef am Dienst-Tag selbst nicht darauf ein, es war wohl zu kurzfristig. Ich habe aber keinen Schimmer, was er genau erwartet und auf diese Frage auch keine Antwort bekommen.
Noch nie bisher hat sich der Mentalitätsunterschied zwischen den Bayern und mir so manifestiert. Und es tut echt weh.

Irgendwie ist aber zwischen all den Ereignissen der letzten Wochen und der teilweise massiven Kraftlosigkeit der Kopf doch so weit heilgeblieben (oder vielleicht eher: jetzt wieder geworden), daß ich gerade einen gewissen Optimismus verspüre. Obwohl wie gesagt gar nichts geklärt ist, weder, wie es bei mir ab November beruflich weitergeht, noch, wie ich aus den Schulden beim Finanzamt herauskomme.